Morgen ist es soweit. Der drittgrößte Mobilfunker in Österreich passt seine Tarife den aktuellen Entwicklungen an, wie man via Presseaussendung verlautbaren lies. Ob diese auch tatsächlich Zeitgemäß sind, werde ich versuchen herauszufinden.

Datenguthaben mitnehmen!

Drei läutet bei “echten” Mobilfunkern eine Revolution ein. So wird es erstmals möglich sein nicht verbrauchtes Datenguthaben mit ins nächste Monat mitzunehmen. Du hast einen 3 GB Tarif und verbrauchst im aktuellen Monat nur 2 GB, dann hast du im nächsten Monat 4 GB statt 3 GB Fullspeed-Datenguthaben.

So innovativ ist das Grundsätzlich nicht und ich weiß nicht wieso es bis ins Jahr 2015 gedauert hat, bis man soetwas eingeführt hat, aber hey! Endlich ist es soweit. Danke an @3Oesterreich dafür.

Achtung, Einschränkung!

Aber Achtung! So kannst du “nur” die dreifache Menge an Daten deines Basisvolumens mitnehmen. Beispiel? Gerne! Du hast einen Tarif mit 2 GB Volumen. So darfst du ingesamt 6 GB mitnehmen. Danach verfallen deine Daten, so wie bisher. Aber, das ist Jammern auf hohem Niveau, denn bisher sind immer all deine Daten verfallen; ein absolut richtiger Schritt in die richtige Richtung.

Keine Revolution bei den Spracharifen

Schaut man sich die neuen Tarife an (diese werden erst morgen in der Früh auf drei.at erscheinen), erkennt man so gut wie keine Revolution. Lediglich bei den Sim-only Tarifen kommt ein “Powerplan” hinzu:
HalloSim
Zum Vergleich, die derzeit noch aktuellen, ab morgen nicht mehr gültigen Tarife:
HalloSimAlt

Datentarife bekommen wieder Leistungklassen

Auch bei den Datentarifen ändert sich nichts, außer, dass bei den niedrigeren Tarifen Daten mitgenomen werden dürfen und die Leistungsklassen wieder eingeführt werden. Diese wurden von der RTR gekippt und Drei musste sie abschaffen. Warum sie jetzt wieder kommen? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist dieses Modell etwas anders als das bisherige…

Hui

Im direkten Vergleich die “alten” Tarife:

HuiAlt

Was sind Leistungsklassen?

Bisher war es so (nachdem die RTR das bisherige Leistungsklassensystem gekippt hat), dass Tarife mit verschiedener maximaler Downloadgeschwindigkeit sich die maximale Bandbreite (zb 30 & 50mbit/s) eines Sektors geteilt haben. Erreichen alle Nutzer die maximale Downloadgeschwindigkeit so kann es passieren, dass es zu ungenutzten Sektorressourcen kommt:

BisherDaten

Das neue modell soll die vorhandenen Sektorressourcen besser nutzen. Drei erklärt das so:

Bei gleichzeitiger Nutzung mobiler und stationärer Nutzung wird von der verfügbaren Bandbreite den mobilen Nutzern der jeweils doppelte Anteil zugeteilt.

management1Aufteilung

Sollte also ein Sektor ausgelastet sein, so werden Kunden der mobilen Nutzungsklasse denen der stationären bevorzugt.

Im Westen nichts neues

Es wird Zeit für ein Fazit. Schaue ich mir die Tarife an, so entdecke ich, bis auf die Datenmitnehme, nichts neues. Klar, hier fehlen noch der eine oder andere Tarif (wenn ich mir die bisherigen Tarife ansehe), aber das wird Drei in wenigen Stunden schon vorstellen.

Die Wiedereinführung der Leistungsklassen ist für mich logisch und nachvollziehbar. Passt auch, meiner Meinung nach. Die einen oder anderen Fragen sich was mit Drei los sei, da man keine Tarife vorgestellt hat, die HoT konkurrieren. Ich denke mal, dass man hier eine ganz andere Kundenschicht erreichen möchte. HoT ist in einer guten Lage solche “guten” Tarife zu haben, da sie keine eigene Infrastruktur haben und einen gewissen Betrag an T-Mobile zahlen um ihr Netz mitzunutzen. Sie müssen sich um sonst nichts anderes kümmern.

Bei ordentlichen Mobilfunkbetreibern, die ein Gesamtpaket aus Shops, eigenes Netz, und Service anbieten ist es, meines erachtens nach, nicht das Ziel mit Dumping die eigene Preisstruktur zu runieren, aus diesem Zeiten sind wir raus. Klar: Die Tarife müssen zu dem Gebotenen in einem brauchen Verhältnis stehen, aber ich zahle gerne den einen oder anderen € mehr, wenn ich weiß, dass ich mich auch gut beraten lassen kann.

Zumal HoT mit ihrem Tarif absolut nichts für mich ist. Ich bin oft in Kroatien unterwegs und brauche die 400 Roamingminuten, die in meinem Tarif dabei sind. Die sind “unbezahlbar” und in Österreich einzigartig, als Drei der einzige Anbieter ist, der mir solch einen Tarif anbietet. Um 18€ in Monat.

Sind die Tarife zeitgemäß?

Diese Frage lässt sich in Wahrheit leicht mit “Jein” beantworten. Ja, weil man endlich Daten mitnehmen kann und diese nicht verfallen. Sehr gut. Nein, weil ich für 10€ 1000 Minuten, 100 SMS und 100 MB an Daten bekomme. Das ist für micht einfach nicht ausreichend. Ich würde mich hier wünschen, dass sich Kunden zwischen Tarifen zwischen Tarifen mit Minuten, SMS oder Daten entscheiden könnten. Beispiel gefällig? Bei 3 in UK kann man das tun: http://www.three.co.uk/Store/SIM/Plans_for_phones

200 Minunten und unlimitierte Daten für 25€ / Monat und LTE ohne Aufpreis. Gekauft! Oder wie wärs mit 500 Minuten in Österreich, 400 Roaming Minuten, 100 SMS und unlimitiert Daten für 25€? Gerne!

Was ist mit LTE?

Falls du LTE bei Drei haben möchtest, musst du 4€ im Monat zusätzlich zu jedem Sprachtarif bezahlen. Hier hätte Drei die Schwelle auf 2€ drücken sollen… aber das ist wohl ein anderes Thema.

Was ist mit Roaming?

Da ist Drei mit seinen Sim-only Tarifen ganz vorn mit dabei. Für unter 20€ bekommt man schon bis zu 400 Minuten in und nach EU-Länder. Finde ich sehr praktisch. Leider sind hier SMS nur nach EU-Länder inkludiert. Aber SMS sind ja, mehr oder weniger, tot. Anders verhält es sich bei Daten. Hier kann man entweder ein teures Datenpaket kaufen oder sich für einen Tarif mit Roaming-Daten entscheiden. Beim teuersten Sim-Tarif sind 250 MB (!!!) dabei. Aber das ist nicht nur das Problem von Drei, sondern von allen österreichischen Mobilfunkanbietern.

So muss man sich im Ausland immer nach einem entsprechenden Datendarf umsehen. In Kroatien nutze ich zb. das Offer von T-Mobile, ich habe schon darüber geschrieben.

Wie es gehen kann, zeigt (mal wieder) die Schwester von 3 Österreich, Three UK. Denn sie haben ihre komplette Tarifstruktur umgekrempelt. So gibt es für alle Three UK Kunden keine Grenzen, wenn sie ins Ausland fahren. Sie müssen das Roaming am Smartphone ausschalten, sondern können, wie gewohnt, alle Dienste und Services nutzen. Das Ganze nennt sich “Feel at Home” und zeigt was möglich ist: http://www.three.co.uk/Discover/Phones/Feel_At_Home – ja, es ist einigen Ländern vorbehalten, aber ein RIESIGER Schritt in die richtige Richtung. Da kann ich nur den Hut ziehen.

What's your reaction?
Show CommentsClose Comments

1 Comment

  • kundentests.com
    Posted 04/08/2015 at 20:17 0Likes

    Eine sehr gute Entscheidung! Finde ich toll das ihr euch dafür entscheidet 😀

Jetzt kommentieren

%d Bloggern gefällt das: