Teil 1: Mit dem Elektroauto nach Kroatien – die Planung

Sieben Monate begleitet uns der ID.3 1st Pro Performance schon. Nach 1,5 Jahren des nervösen Wartens, konnte ich ihn dann ENDLICH Anfang Oktober 2020 beim Autohaus Porsche Wien-Liesing abholen. Und nun steht unsere erste große Reise mit dem ID.3 an: Es geht nach Kroatien. Doch einfach so drauf los fahren, spielt es beim Elektroauto nicht. Die guten alten Zeiten, wie mit meinem Fiat Punto sind vorbei. Planen ist angesagt.

Das wird eine Serie. Wie viele Beiträge? Ich weiß es nicht

Das ist der erste Teil einer kleineren Serie, die mich bei meinem Planungsprozess und meine Erfahrungen zeigt. Eventuell kann der Eine oder Andere hier etwas mitnehmen.

Die soll Neueinsteigern helfen gemütlich und stressfrei mit dem Elektroauto nach Kroatien zu kommen. Aber Achtung: Meine Erfahrungen und Schritte müssen und können nicht auf alle zutreffen. Das Reiseverhalten ist höchst individuell und ist deshalb grundverschieden. Nicht zuletzt, weil es die unterschiedlichsten Autos da draußen gibt, die andere Reichweiten haben und eben auch das Fahrverhalten komplett anders ist, wie, dass es Menschen gibt, die notorisch gerne schnell fahren – Gift für die Reichweite des Elektroautos. Eventuell lernen sie es dann, weil wenn man in Slowenien laden muss und nur 50kW Lader an der Autobahn zur Verfügung hat… Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal! Genug blabla! Jetzt geht es ans Eingemachte.

Das Auto & der “Verbrauch”

Ich fahre, wie erwähnt, seit mehreren Monaten einen ID.3 1st Pro Performance. Das Auto hat 150 kW / 205 PS Leistung und eine 58 kWh große Batterie. WLTP ist der Meinung, dass ich damit 420 Kilometer weit kommen sollte. Ja, in der Stadt und im Sommer klappt das, aber im Winter und oder auf der Autobahn eher nicht. Im Sommer sind auf der Autobahn realistische 300 Kilometer mit 100% geladenem Akku drinnen. Das heißt, dass ich auf der Autobahn (plus/minus) 19 kWh Energie auf 100 Kilometer brauchen darf um die Reichweite auszuschöpfen. Bei einer Entfernung von 529 Kilometer bedeutet das für uns: Einmal das Auto unterwegs zu laden. So die Theorie. Experten, wie ein TeslaBjörn oder der liebe Stefan Schwunk (der ein Ladestrategie-Video veröffentlicht und meine Strategie quasi bestätigt hat) sagen, dass man mit rund 10% eine Ladesäule anfahren sollte.

Die Reiseplanung

Um die Reise zu planen, benutzen wir einige “Tools”. Eines davon sind “meine Erfahrungswerte”, die ich über die letzten Monate gesammelt habe, YouTuber, die ebenfalls einen ID.3 fahren und oder ausführlichst getestet haben und das andere hört auf den Namen “A Better Routeplaner” (das ich im Jahresabo habe). Mit dem Link bekommst du eine 30 tägige Testversion (statt 14).

Die Strecke

Ja, ich habe zwei Ladestopps eingeplant, damit wir einerseits genug Energie für den nächsten Tag im Akku haben und andererseits wäre das dann doch zu knapp und ich würde eher ungern mit 1, 2% Restreichweite ankommen.

Das wäre zumindest der Plan.

Ladestopp 1: Bis zum ersten geplanten Ladestopp sind es exakt 250 Kilometer und mit einer Reichweite von 300 bei Abfahrt, haben wir somit 50 Kilometer Puffer. So sollten wir mit rund 10% SoC ankommen.

Ladestopp 2: Von Ionity Maribor bis Ionity Koper haben wir dann nochmal 240 Kilometer. In diesem Fall werden wir nach Kilometern Reichweite bei der Anzeige laden – bei rund 280/290 Kilometer auf der Anzeige werden wir dann losfahren und sollten dann auch hier mit einer Restreichweite von 40 bis 50 Kilometer bei Ionity in Koper ankommen. Dort würden wir rund 15 bis 20 Minuten laden, sodass wir genug Saft für die verbleibenden 40 Kilometer und für den nächsten Tag haben.

Backup Plan: Was passiert aber, wenn der Verbrauch doch höher ist, als geplant? Im schlimmsten Fall, müssten wir irgendwo bei Ljubljana für einige Minuten stehen bleiben um nachzuladen. Hier gibt es einige Ladestationen – aber leider nur 50kW Ladesäulen. Die Hauptstadt scheint eine der wenigen Großstädte in Europa zu sein, die keine Hypercharger anbietet… Pech für Menschen wie mich.

Mit Hilfe der Webseite chargeprice findet man schnell Ladepunkte und kann entsprechend auch sehen, was dort das Laden kosten wird. In Slowenien ist der Anbieter “Petrol OneCharge” der größte Anbieter “schneller” Ladepunkte entlang der Autobahn. Nach einer Preiserhöhung im Februar 2021, kostet die kWh dort nun 38 Cent. Eine Ladekarte ist nicht zwingend erforderlich, da an der Tankstelle der Ladepunkt freigeschalten wird und man dort auch gleich bezahlen kann. Zum Thema Ladekarten komme ich dann noch.

Das wäre mein Plan. Die App “A Better Route Planer” sieht die Sache etwas anders, als ich. Denn die Experten meinen, dass wir in Niederösterreich für 5 Minuten halten und eine handvoll kWh nachladen sollten, das mich allerdings etwas stutzig macht, denn wir würden bei Ionity in Maribor mit 18% ankommen. Zuvor hätten wir unseren Ladestand um 8% aufgebessert – meiner Meinung nach nicht sehr logisch.

Der Stopp in Koper stimmt – wir kommen mit 10% an und Laden relativ Flott auf run 40% auf. Perfekt, denn man sollte grundsätzlich immer versuchen mit einem niedrigen Ladestand eine Ladesäule anzufahren.

Laden in Kroatien oder: Die Ladewüste Istrien

Oft liest man in diversten Foren und Facebook-Gruppen: Ja, ich lade immer zuhause. Also gratis, weil ich eine PV Anlage am Dach habe. Und unterwegs kann ich auch überall das Auto aufladen. Denn die Reise ist das Schönste am Urlaub und nicht der Ort, wo man ankommt. Oder so ähnlich. Bullshit! Wenn ich “unten” angekommen bin, habe ich weder (habe ich zuhause auch nicht) eine PV Anlage oder eine breite Auswahl an Ladestationen. In ganz Istrien gibt es eine handvoll Ladesäulen, wie man bei NewMotion, Chargeprice oder Plugshare und Co. sehen kann:

Schauen wir uns im Vergleich Wien an, eine Stadt die 6,7 Mal kleiner ist als Istrien ist:

Jaja. Wien hat 10 Mal mehr Einwohner als Istrien (2 Millionen vs. 200.000) – heißt, dass es um den Faktor 10 auch Ladeinfrastrukur geben sollte. Ist jedoch nicht der Fall. Wird es auch lang so bleiben. Elektroautos sind teuer, die Infrastuktur zu errichten und warten ebenfalls. Und in einem Land wie Kroatien, wo das durchschnittliche Jahreseinkommen deutlich unter dem eines Einkommens in Österreich oder anderen westlichen europäischen Ländern hinterherhinkt, ist es eine Utopie, dass die Masse auf Elektro umsteigt.

Jedenfalls.

Im Umkreis von rund 20 Kilometern von unserem Ferienhaus, gibt es 5 Ladestationen. Einer davon kann 50 kW (und ist gratis). Der Rest kann maximal 11kW AC. Traurig. Deshalb ist es umso besser, dass man eine Ferienwohnung hat, wo man Nachts (in Kroatien macht man noch einen Unterschied zwischen Tag- und Nachtstrom) laden kann. Oder einen Campingplatz, der das erlaubt.

Aber! Es tut sich was. Bei Plugshare sieht man eindeutig, dass viele Lader in Bau sind. Entlang der Hauptverkehrsrouten (Autobahnen,…) werden vom Marktführer “Elen” viele Ladepunkte gebaut. Es sind leider oft nur 50kW, aber immerhin. Diese Lader entstehen zum großen Teil an Hauptverkehrsrouten und Orten, wo vermehrt Touristen anzutreffen sind. Heißt, dass Regionen, wie Slawonien, nicht von dem Ausbau profitieren. Klar, da es sich wirtschaftlich vorn und hinten einfach nicht rechnet, da dort die Eigentümer von Elektroautos an einer Hand abgezählt werden können.

Ja, Besser als nichts. Das Schöne an Elen derzeit ist, dass die kostenlos sind! Aber Achtung: Kroaten verstehen da oft keinen Spaß und parken die Ladestationen einfach zu. Weil: Es nutzt ja eh niemand. Hier kann man sich ruhig den Zweiteiler (Teil 1Teil 2) von CarManiac anschauen – er hat einen Schwager nach Kroatien mit dem Elektroauto geschickt (zwar mit dem denkbar schlechtesten) aber man bekommt zumindest einen guten Eindruck. Und wenn man sich etwas geschickter als Francesco anstellt, dann sollte man auch nicht zuviel Zeit verlieren…

Ladekarten

Ladestationen für Elektroautos: Shell-Tochter New Motion abgemahnt

Für die Hin- und Rückfahrt, habe ich die WeCharge Plus Ladekarte mit. Mit dieser lade ich (noch) bei Ionity kostenlos. Perfekt für die geplanten Stopps in Slowenien. Außerdem habe ich noch ein Konto bei OneCharge von Petrol gemacht, damit ich mit dem Handy Ladevorgänge starten kann – sofern ich mein Backup-Plan notwendig ist. Man kann sich hier für deren Service registrieren: Petrol-si (onecharge.eu).

Für den Rest, habe ich noch die Ladekarte von NewMotion von Shell. Die wurde kostenlos geliefert und funktioniert bei sehr vielen Ladestationen in Europa. Das ist meine Backup-Karte! Hier kann sie bestellt werden: https://my.newmotion.com.

Außerdem empfehle ich für Kroatien die App “espoTs” runterzuladen. Das ist der Ladedienst von “Hrvatski Telekom”. Die haben auch einige Ladestationen in Kroatien.

Für Elen braucht man derzeit keine Ladekarte, denn die Säulen sind (noch) kostenlos. Hier ist eine Übersichtskarte über all deren Ladesäulen in Kroatien: ELEN: Izvor električne energije (hep.hr). Außerdem findet man sie in der App “Plugshare“.

Apps

Wenn wir schon beim Thema Apps sind. Um Ladesäulen, relativ, zuverlässig zu finden, empfehle ich eine Mischung aus den verschiedensten Diensten. Plugshare hatte ich einige Male schon erwähnt. Darüberhinaus ist die Webseite “chargeprice.app” ein toller Service.

Backup Plan

Für die Reise ist es jedoch extrem wichtig einen Backup Plan parat zu haben. Der Plan lautet: Haushaltssteckdose. Bei meinem ID.3 war ein Ladeziegel für die Haushaltsteckdose dabei. Das war ein Sonderfall, da ich eine 1st Edition hatte. Bei anderen ist dieser nicht dabei – aber ein wichtiges Accessoire um Unterwegs – wenn 11 kW Ladesäulen fehlen – an einer “normalen” Steckdose das Auto aufzuladen. Hier kann das Auto mit bis zu 3,7 kW geladen werden. Da wird man schnell alt und deshalb ist dieses Teil r eher eine Ausnahme als die Regel. Auch, weil die Haushaltssteckdosen nicht für diese Dauerbelastung geeignet sind und schnell mal zu heiß werden können. Für den Dauereinsatz gibt es sowas wie den (ich hasse den Namen) “Juice Booster” eine mobile Ladelösung. Die ist für den Dauereinsatz gedacht und kann als “Wallbox” genutzt werden.

Auf geht's!

Am 1. Juni gegen 16 Uhr geht unsere Reise los. Wir starten mit einem auf 100% geladenen ID.3 und ich werde versuchen das Ganze via Twitter zu dokumentieren, mit dem Hashtag #ID3Kroatien. Die Aufregung steigt 🙂

Deine Erfahrungswerte?

Bist du mit dem Elektro schon nach Kroatien gefahren? Wie waren deine Eindrücke? Ab in die Kommentare damit!

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