Die neue digitale Maut in Kroatien: Was du als Österreicher wissen musst
Wer regelmäßig mit dem Auto nach Kroatien fährt, kennt das Ritual: Autobahn auffahren, Zettel ziehen, irgendwann an der Mautstation im Stau stehen (Hallo 👋 Mautstation Lučko 📌), Kreditkarte oder Bargeld zücken, weiterfahren. Im Juli und August kann das Warten so manchem Urlauber den letzten Nerv kosten, denn diese Mautstation ist, wie auch viele andere in Kroatien, ein bekanntes Nadelör. Bei denen man oft glaubt länger zu stehen als zu fahren.
Inhaltsverzeichnis
- Wie es bisher funktioniert
- Das ändert sich am dem März 2027
- Die zwei Bezahlvarianten im Detail
- Variante 1: Kennzeichenregistrierung
- Variante 2: ENC-Mautbox
- Was passiert, wenn man sich nicht registriert?
- Der Zeitplan: Was gilt wann?
- Die Strecke Wien – Kroatien: Was ändert sich konkret für uns?
- Was ich davon halte
- Checkliste: Was du jetzt schon tun kannst
- Fazit
Das soll sich endlich grundlegend ändern. Kroatien stellt sein gesamtes Mautsystem auf ein digitales, schrankenloses “Free-Flow-System” um. Das Ganze hört auf den Namen Crolibertas und soll am 1. März 2027 offiziell starten. Für alle Urlauber, die vor allen nach Dalmatien fahren, ist das eine relevante Änderung. Und genau deshalb schauen wir uns das mal genauer an.
Wie es bisher funktioniert
Für alle, die es noch nicht kennen oder auffrischen wollen: Kroatien hat kein Vignettensystem wie Österreich oder Slowenien. Stattdessen wird streckenabhängig abgerechnet. Bei der Auffahrt auf die Autobahn zieht man einen Zettel (ähnlich wie in einem Parkhaus), bei der Abfahrt zahlt man den fälligen Betrag — entweder bar, mit Karte oder per “ENC-Box”.
Das System funktioniert grundsätzlich, hat aber einen Haken: In der Hochsaison bilden sich vor den Mautstationen regelmäßig lange Staus und es kostet, im Vergleich zu einer Wochen- oder Monatsvignette deutlich mehr. Wer schon mal an einem Samstag im Juli oder August über die A1 Richtung Split gefahren ist, weiß genau, wovon ich rede. Da kann die schönste Vorfreude auf den Urlaub schnell verfliegen.
Die Preise richten sich nach Fahrzeugkategorie und gefahrener Strecke. Für einen normalen PKW (Kategorie I) kann man mit rund 8 Euro pro 100 Kilometer rechnen. Ein paar Beispiele für die gängigsten Strecken:
- Zagreb – Split (A1): ca. 26 €
- Zagreb – Split – Dubrovnik (A1): ca. 44 €
- Zagreb – Šibenik: ca. 22 €
- Umag – Pula (A9, Istrien): ca. 6 €
- Zagreb – Rijeka (A6): ca. 9 €
Hinzu kommen noch zusätzliche Mautgebühren in den unterschiedlichen Ländern, wie Slowenien, die bezahlt werden müssen. Für Touristen aus Deutschland ist es dreifach bitter: Vignette in Österreich, Slowenien und dann noch die teure kroatische Maut. Das läppert sich.
Das ändert sich am dem März 2027
Das neue System Crolibertas basiert auf dem sogenannten Multi-Lane Free-Flow-Prinzip. Das bedeutet: Keine Schranken, keine Ticketautomaten, kein Anhalten. Man fährt mit normaler Geschwindigkeit unter Mautportalen durch und wird automatisch erfasst. Insgesamt werden 212 Mautportale mit 1.744 Kameras auf dem gesamten kroatischen Autobahnnetz errichtet.
Die Bauarbeiten laufen bereits seit November 2025 und haben auf der A3 (Zagreb – Lipovac) begonnen. Stand Juli 2026 stehen bereits über 50 Portale auf den Autobahnen A3, A4, A5 und A11. Seit Anfang Juli wird auch auf der A2 (Zagreb – Macelj, also Richtung Slowenien) gebaut — genau die Strecke, die viele Österreicher nutzen.
Das System kombiniert zwei Technologien:
- Automatische Kennzeichenerkennung (ALPR): Kameras erfassen das Nummernschild und ordnen es einem registrierten Benutzerkonto zu.
- ENC/OBU-Mautbox (DSRC-Funk): Eine elektronische Box an der Windschutzscheibe, die per Funk erkannt wird — im Prinzip das, was viele Vielfahrer in Kroatien schon heute nutzen und sich rund 20% sparen.
Die zwei Bezahlvarianten im Detail
Variante 1: Kennzeichenregistrierung
Diese Option steht für Motorräder und Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen zur Verfügung. Vor der Fahrt registriert man sein Kennzeichen auf einem Online-Portal (oder einer App) und hinterlegt eine Zahlungsmethode, zum Beispiel eine Kreditkarte oder ein Prepaid-Guthaben. Die Kameras an den Portalen scannen dann bei der Durchfahrt automatisch das Nummernschild und buchen die Maut ab.
Eine Registrierung soll auch an Tankstellen und HAC-Servicestellen möglich sein. Und für alle, die es vergessen haben: Es werden an den ehemaligen Mautstationen Schnellregistrierungsspuren eingerichtet, wo man sich im Vorbeifahren oder an Terminals kurzfristig registrieren kann. Praktisch, aber ich gehe jede Wette ein, dass diese Umstellung nicht bei jedem ankommen wird und das viele Strafzetteln hageln wird. Problematisch wird es vor allem für die “nur Bares ist Wahres” Fraktion.
Variante 2: ENC-Mautbox
Wer bereits eine ENC-Box hat: Die kann im neuen System weiterverwendet werden. Crolibertas basiert auf derselben Technik. Das ist eine gute Nachricht, denn das ENC-Gerät bietet auch weiterhin einen Rabatt von rund 22 % auf die regulären Mautgebühren. Bei einer Hin- und Rückfahrt Zagreb–Split spart man damit locker 15 bis 20 Euro.
Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen (also schwerere Wohnmobile, LKW) wird die Mautbox voraussichtlich verpflichtend sein — die reine Kennzeichenregistrierung reicht hier nicht.
Das Crolibertas-System ist zudem mit dem europäischen EETS-Standard (European Electronic Toll Service) interoperabel. Langfristig könnte das bedeuten, dass man mit einer einzigen Mautbox durch mehrere europäische Länder fahren kann — aber das ist, wie immer, Zukunftsmusik.
Was passiert, wenn man sich nicht registriert?
Das ist die Frage, die mich am meisten beschäftigt. Laut den bisherigen Informationen wird es für nicht registrierte Fahrzeuge zu Beginn Schnellregistrierungsspuren geben. Wer aber durchfährt, ohne registriert zu sein, riskiert eine erhöhte Mautgebühr. Die Details dazu sind noch nicht final kommuniziert, aber ich gehe davon aus, dass das ähnlich wie in anderen Ländern mit Free-Flow-Maut gehandhabt wird: Die Kameras erfassen das Kennzeichen, man bekommt Post und zahlt einen Aufschlag.
Mein Tipp: Nicht darauf ankommen lassen. Sobald das Online-Portal steht, vorab registrieren. Fertig.
Der Zeitplan: Was gilt wann?
Hier die wichtigsten Daten auf einen Blick:
- Sommer 2026: Alles bleibt beim Alten. Die Mautstationen funktionieren wie gewohnt mit Ticket, Karte und Bargeld. Die Mautportale werden zwar gebaut, sind aber noch nicht aktiv.
- Ab September 2026: Schrittweiser Beginn der Umstellung, gestartet wird auf der A3 (Zagreb – Lipovac). Testbetrieb und Parallelbetrieb mit dem alten System.
- Bis Ende Februar 2027: Alle bisherigen Mautstationen werden durch digitale Portale ersetzt.
- 1. März 2027: Offizieller, landesweiter Start von Crolibertas. Ab dann ist das Free-Flow-System das einzige System.
Das bedeutet konkret: Wer im Sommer bzw. Herbst 2026 nach Kroatien fährt, braucht sich noch keine Gedanken zu machen. Ab Herbst 2026 wird es spannend, weil auf einzelnen Strecken schon umgestellt wird. Und ab März 2027 muss man vorbereitet sein.
Die Strecke Wien – Kroatien: Was ändert sich konkret für uns?
Für die meisten Österreicher führt die Route nach Kroatien über Wien oder Graz nach Spielfeld, dann über Maribor und die slowenische Autobahn nach Zagreb. Ab Zagreb geht es auf die kroatische A1 Richtung Süden (Karlovac, Zadar, Split) oder auf die A6 Richtung Rijeka und Istrien.
An der Mautsituation auf der österreichischen und slowenischen Strecke ändert sich durch Crolibertas natürlich nichts. Ihr braucht weiterhin die österreichische Autobahnvignette und die slowenische E-Vignette (die man praktischerweise seit einiger Zeit online kaufen kann).
Was sich ändert: Sobald ihr auf die kroatische Autobahn auffahrt, gibt es keine Schranke mehr, kein Ticket, kein Anhalten. Die Kamera erfasst euer Kennzeichen und die Maut wird automatisch abgebucht — vorausgesetzt, ihr habt euch registriert.
Für die klassische Strecke Wien – Split über die A1 fallen für den kroatischen Teil weiterhin rund 26 Euro pro Richtung an (PKW, Kategorie I). Die Maut bleibt also streckenabhängig, nur die Art der Bezahlung ändert sich.
Was ich davon halte
Ich fahre diese Strecken seit ich denken kann. Erst als Kind auf der Rückbank, jetzt selbst am Steuer. Und ich muss sagen: Es wurde Zeit.
Die Mautstationen in Kroatien waren immer ein Nadelöhr, besonders in der Hochsaison. Wer mal an einem Samstagvormittag im Juli an der Mautstation vor Zagreb oder vor dem Sveti Rok Tunnel gestanden ist, weiß, dass das kein Vergnügen ist. Das neue System soll den Durchsatz von rund 200 auf bis zu 3.000 Fahrzeuge pro Stunde erhöhen. Das ist ein enormer Unterschied.
Gleichzeitig bin ich gespannt, wie die Umsetzung tatsächlich laufen wird. Kroatien hat in den letzten Jahren bewiesen, dass grosse Infrastrukturprojekte durchaus gelingen können — die Pelješac-Brücke ist das beste Beispiel. Aber ein landesweites digitales Mautsystem ist nochmal eine andere Nummer. Vor allem die Frage, wie Touristen behandelt werden, die nichts von der Registrierungspflicht wissen, wird spannend.
Mein Bauchgefühl sagt mir: Die ersten Monate nach dem Start im März 2027 werden holprig. Es wird Leute geben, die ohne Registrierung durchfahren und dann überrascht sind, wenn Post kommt. Es wird technische Kinderkrankheiten geben. Aber mittelfristig wird das System eine massive Verbesserung sein — für Touristen und für die Menschen, die dort leben und täglich auf diesen Autobahnen unterwegs sind.
Checkliste: Was du jetzt schon tun kannst
- Sommer 2026: Nichts. Fahr wie gewohnt nach Kroatien und genieß den Urlaub.
- Herbst/Winter 2026: Informiere dich, ob für deine geplante Route schon auf das neue System umgestellt wurde.
- Anfang 2027: Registriere dein Kennzeichen auf dem Crolibertas-Portal, sobald es verfügbar ist. Hinterlege eine Zahlungsmethode.
- Falls du eine ENC-Box hast: Behalten. Sie funktioniert weiterhin und spart dir rund 22 % auf die Maut.
- Falls du keine ENC-Box hast und regelmässig fährst: Überleg dir, ob sich die Anschaffung (ca. 15 €) nicht doch lohnt. Bei zwei Kroatien-Urlauben im Jahr hast du die Kosten locker wieder drin.
- Wohnmobil oder Anhänger: Prüfe deine Fahrzeugkategorie. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen brauchen voraussichtlich eine Mautbox — die Kennzeichenregistrierung reicht nicht aus.
Fazit
Die Umstellung auf die digitale Maut ist für Kroatien ein grosser Schritt in Richtung modernes Autobahnnetz. Für uns Österreicher, die jedes Jahr zu hunderttausenden an die Adria fahren, heisst das: weniger Stau, schnelleres Ankommen, aber auch ein bisschen Vorbereitung im Vorfeld.
Ich werde diesen Artikel aktualisieren, sobald das Crolibertas-Portal online ist und die konkreten Registrierungsschritte feststehen. Bis dahin gilt: Im Sommer 2026 ändert sich noch nichts. Aber wer für 2027 plant, sollte das Thema auf dem Schirm haben.
Stand: August 2026. Angaben ohne Gewähr. Die Mautpreise, Zeitpläne und Details zum Crolibertas-System können sich noch ändern. Aktuelle Informationen findest du auf der offiziellen Webseite von Crolibertas sowie beim ÖAMTC und beim kroatischen Automobilverband HAK.


