Ist Kroatien wirklich so teuer, wie alle behaupten?
In den letzten Wochen liest man wieder öfter, dass Kroatien „viel zu teuer“ geworden ist. In Zeitungen, auf Social Media und in Kommentarspalten entsteht schnell der Eindruck, als wäre ein Urlaub an der Adria inzwischen kaum noch leistbar. Manche Schlagzeilen gehen sogar so weit, dass Kroatien als halb leer beschrieben wird, weil es angeblich preislich völlig überzogen sei.
Inhaltsverzeichnis
- Wahrnehmung und Realität
- Ja, es ist teurer geworden
- Was die Beispiele zeigen
- Kroatien ist nicht gleich Kroatien
- Warum soll Kroatien billig bleiben, wenn Andere teurer werden?
- Billigzeiten und Qualitätsanspruch
- Kroatien im Wandel
- Warum die Preissteigerungen kein kroatisches Sonderelement sind
- Was man fairerweise sagen muss
- Fazit
Als in Österreich lebender Kroate wollte ich mir das genauer anschauen – und zwar aus nächster Nähe. Denn: Meine Frau und ich haben unseren Sommerurlaub, wie könnte es denn anders sein, im schönsten Land der Welt verbracht. Außerdem möchte ich ein etwas anderes, differenziertes Bild zeichnen, das die Zeitungen und Kommentarspalten nicht können bzw. wollen… denn die Wahrheit ist, wie so oft, vermutlich nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick klingt.
Wahrnehmung und Realität
Ein Grund, warum das Thema gerade so präsent ist, liegt sicher an der Euro-Einführung in Kroatien im Jahr 2023. Preise lassen sich heute viel direkter vergleichen als früher, und dadurch wirkt vieles sofort teurer, selbst wenn sich an vielen Ecken und Enden nicht viel verändert hat.
Dazu kommt ein typischer Effekt: Negative Beispiele bleiben stärker hängen als normale oder faire Preise. Ein teures Getränk in bester Lage wird fotografiert, geteilt und kommentiert. Dass es zwei Straßen weiter oft schon ganz anders aussieht, geht dabei leicht unter. Wie die Sendung “Achtung Abzocke” am Beispiel Mykonos oder Mallorca vor einigen Jahren wunderbar gezeigt hat.
Ja, es ist teurer geworden
Trotzdem wäre es falsch, das Ganze als reine Übertreibung abzutun. Es gibt in Kroatien durchaus Bereiche, die (teilweise spürbar) teurer geworden sind. Und das spüren nicht nur Touristen, sondern die Menschen die dort leben und mit diesen Preisen tagtäglich leben müssen. Beispiel gefällig? Gerne!
Butter kostet in Österreich um 1,51€. In Kroatien 2,99€ (Stand Ende Juli 2026) – 100% Unterschied. Mineralwasser, wie das in Kroatien meistgetrunkene Jamnica gibt es nicht unter 1€. In Österreich gibt es Markenwasser teilweise günstiger, wie ein Römerquelle um 90 Cent. Ja, es gibt Aktionen und Co. Aber damit müssen die Menschen dort auskommen.
Andere Bereiche, die teurer geworden sind (Liste ist natürlich unvollständig):
- Gastronomie in touristischen Hotspots
- Unterkünfte in der Hochsaison
- Strandservices, Parken und ähnliche Zusatzangebote
- Supermärkte
- Energiepreise
Gerade an sehr gut besuchten Orten an der Küste sind die Preise mittlerweile auf einem Niveau angekommen, das viele früher nicht mit Kroatien verbunden hätten.
Wenn man die Rechnungen ansieht, wird das greifbar: Ein Kaffee und Wasser in einem Küstenort liegen preislich oft schon nahe an dem, was man in österreichischen Städten bezahlt – und in bestimmten Lagen darüber.
Was die Beispiele zeigen
Genau hier helfen konkrete Belege mehr als jede pauschale Behauptung. Eine Schlagzeile wie „Zu teuer: Kroatien ist halb leer“ erzeugt schnell ein Bild, sagt aber wenig über die tatsächliche Realität vor Ort aus, wie man unschwer erkennen kann: https://www.instagram.com/reel/DbTdNrmILfO/?utm_source=ig_web_button_share_sheet
Die Rechnungen mit Kaffee und Wasser zeigen dagegen sehr konkret, dass Preise je nach Ort und Angebot nicht nur subjektiv hoch wirken, sondern tatsächlich eine relevante Rolle spielen können. Gleichzeitig sieht man an Cocktailpreisen, dass man sich klar in einer touristischen Preiszone bewegt, die sich an internationale Gäste und urbane Zielgruppen richtet.

Darf es auch ein anderes Beispiel sein? In Zadar. Aperol Spritz, ein doch sehr beliebtes Geld, das in Wien in Bars und Klubs selten unter 12€ zu haben ist, gibt es in Zadar im Restaurant um 6,50€. Ja und in Dubrovnik gibt es das gleiche Getränk nicht unter 15€. Aber auch in Nizza zahlt man nicht selten 15€ dafür.

Kroatien ist nicht gleich Kroatien
Ein Punkt, der in dieser Diskussion fast immer zu kurz kommt: Kroatien ist nicht gleich Kroatien.
Es macht einen großen Unterschied, ob man:
- direkt am Meer in einem bekannten Küstenort sitzt,
- im Hinterland unterwegs ist,
- in der Hochsaison reist,
- oder im Alltag in einer kleineren Ortschaft konsumiert.
Preise an der ersten Reihe am Meer sind selten mit jenen in ruhigeren Gegenden vergleichbar. Genau deshalb ist es irreführend, aus einzelnen Urlaubserfahrungen eine allgemeine Aussage über das ganze Land abzuleiten.
Warum soll Kroatien billig bleiben, wenn Andere teurer werden?
Spannend wird die Frage, wenn man den Blick weitet: In Österreich und im restlichen Europa wird seit Jahren darüber diskutiert, dass alles teurer wird – Energie, Lebensmittel, Gastronomie, Dienstleistungen.
Gleichzeitig erwartet man von Kroatien, dass es aus irgendeinem Grund dauerhaft „billig“ bleibt. Das ist eigentlich ein Widerspruch: Ein Land soll sich wirtschaftlich und infrastrukturell entwickeln, seine Menschen sollen höhere Löhne bekommen, aber die Preise sollen auf dem Niveau von vor 10–20 Jahren stehen bleiben.
Billigzeiten und Qualitätsanspruch
Man muss hier ehrlich sein: Die Zeiten, in denen man in Kroatien fast überall sehr billig, aber teilweise qualitativ recht unterdurchschnittlich gegessen hat, sind in vielen Regionen vorbei.
Menschen in Kroatien, insbesondere im Tourismus, wollen sich etwas aufbauen – Familien ernähren, Häuser renovieren, Kinder ausbilden. Das ist nur mit höheren Gehältern möglich, die sich dem Niveau annähern, das in Österreich und anderen Teilen Europas gezahlt wird. Und höhere Löhne spiegeln sich zwangsläufig in den Preisen der Lokale und Betriebe wider.
Wer faire Arbeitsbedingungen und bessere Qualität erwartet, kann nicht gleichzeitig verlangen, dass alles so günstig bleibt wie zu Zeiten, in denen Löhne und Standards deutlich niedriger waren.
Kroatien im Wandel
Vergleicht man das Kroatien vor 10, 15 oder 20 Jahren mit dem Kroatien von heute, sieht man ein Land, das sich klar weiterentwickelt hat.
Infrastruktur wurde ausgebaut, von Straßen über Tunnel bis zu Bahnverbindungen. Viele touristische Orte haben sich von “einfacher Badeort” hin zu modernen Destinationen mit breitem Angebot gewandelt – mit entsprechend anderem Anspruch an Qualität und Service.
Es wäre unrealistisch zu erwarten, dass sich ein Land in diese Richtung bewegt, aber preislich im alten Zustand verharrt.
Warum die Preissteigerungen kein kroatisches Sonderelement sind
Die letzten Jahre waren in ganz Europa von deutlich höheren Energie- und Lebenshaltungskosten geprägt. Energiepreise, Löhne und allgemeine Inflation treffen Kroatien genauso wie andere EU-Länder.
In diesem Kontext wirkt es fast naiv, zu erwarten, dass Kroatien vom allgemeinen europäischen Trend ausgenommen sein soll.
Was man fairerweise sagen muss
Man sollte weder alles schlechtreden noch alles schönreden. Es gibt in Kroatien Orte und Angebote, die klar zu teuer sind. Ein prominentes Beispiel ist Dubrovnik. Mein Einwand hier ist: Das weiß man. Dubrovnik war schon immer teuer und wenn man hinfährt, dann sollte das nicht in Vergessenheit geraten.
Und ja, es gibt natürlich genauso viele Lokale, Unterkünfte und Regionen, in denen das Preis-Leistungs-Verhältnis weiterhin gut ist. Hier kann ich meine Heimat Slawonien erwähnen. Denn wer sich von der Küste und dem Meer lösen kann, bekommt dort mehr für seinen Euro als in vielen anderen Regionen Kroatiens. Das Problem dort ist: Es gibt kein Meer. Dafür umso mehr Geschichte (Vukovar, Cibalae und so weiter) und Kulinarik.
Wer nur die teuersten Beispiele betrachtet, bekommt ein verzerrtes Bild. Wer dagegen gezielt vergleicht, abseits der offensichtlichen Hotspots schaut und nicht jede Touristenfalle mit dem ganzen Land verwechselt, sieht die Realität.
Fazit
Ist Kroatien teurer geworden? Ja. So wie Österreich, Deutschland und alle anderen Länder in Europa.
Ist es pauschal „viel zu teuer“? Nein, so einfach ist es nicht.
Kroatien ist heute in vielen Bereichen kein „Billigland“ mehr – und das ist aus Sicht der Menschen, die dort leben und arbeiten, sogar eine recht positive Entwicklung. Ein Land, das sich infrastrukturell und wirtschaftlich weiterentwickelt, wird sich früher oder später auch im Preisniveau widerspiegeln. Gleichzeitig gibt es nach wie vor viele Möglichkeiten, in Kroatien fair und leistbar Urlaub zu machen, wenn man bewusst auswählt – abseits der Hotspots und im Landesinneren, die nach Tourismus dursten.
Die Diskussion wird, wie so oft, von Extremen geprägt: Von überzogenen Schlagzeilen auf der einen Seite und von Verteidigungsreflexen auf der anderen. Die Wahrheit liegt dazwischen. Kroatien ist heute teurer als früher, aber längst nicht überall überteuert. Wer bereit ist, die Entwicklung des Landes mitzudenken, erkennt: Es ist nicht die Frage, ob Kroatien „billig“ bleiben soll, sondern ob wir akzeptieren, dass sich das Land entwickelt.


